Kaum eine Branche hat auf Social Media so gute Karten wie die Tiermedizin: Tiere sind der Content, den Instagram und TikTok lieben. Ein verschlafener Kater im Aufwachraum, ein Welpe beim ersten Impftermin – solche Momente erreichen ohne Werbebudget Tausende Menschen.

Gleichzeitig gilt für Tierärztinnen und Tierärzte nicht dasselbe wie für private Tier-Accounts: Tierärztekammer, Arzneimittelrecht und Datenschutz setzen klare Grenzen. Dieser Artikel zeigt, was auf Instagram und TikTok erlaubt ist, wo Vorsicht geboten ist – und welche Inhalte bei Tierhalterinnen und Tierhaltern wirklich ankommen.

Warum sich Social Media für Tierarztpraxen lohnt

Ein gepflegter Social-Media-Auftritt zahlt gleich mehrfach auf die Praxis ein:

Das Potenzial ist enorm: Laut der aktuellen Heimtierstudie lebt in fast jedem zweiten österreichischen Haushalt ein Tier – über zwei Millionen Katzen und rund 836.000 Hunde warten mit ihren Menschen auf Inhalte, die sie betreffen.

Haustiere in Österreich: Das Publikum ist schon da
46 %
der österreichischen Haushalte leben mit mindestens einem Haustier
1,8 Mio.
Haushalte mit Tier – fast jeder zweite Haushalt im Land
2,02 Mio.
Katzen leben in Österreich – das beliebteste Haustier
836.000
Hunde begleiten ihre Menschen durch den Alltag
Quelle: Heimtierstudie 2024, ÖHTV & Österreichischer Zoofachhandel (Erhebung: GfK)

Instagram oder TikTok – wo lohnt sich der Einstieg?

Ein Blick auf die Nutzerzahlen zeigt, wie viele Menschen in Österreich über die beiden Plattformen erreichbar sind:

Social-Media-Nutzer:innen in Österreich 2025
YouTube
7,30 Mio.
Instagram
3,25 Mio.
Facebook
3,25 Mio.
Snapchat
2,54 Mio.
TikTok (nur Nutzer ab 18 erfasst)
2,33 Mio.
Quelle: DataReportal, Digital 2025: Austria. Werbereichweiten der Plattformen, Jänner 2025.

Instagram ist für die meisten Praxen die erste Wahl: Die Zielgruppe der 25- bis 55-jährigen Tierhalter ist dort stark vertreten, das Profil funktioniert wie eine zweite Visitenkarte mit Öffnungszeiten, Story-Highlights und Link zur Webseite. Reels sorgen für Reichweite, Stories für Nähe zur bestehenden Community.

TikTok erreicht ein jüngeres Publikum und belohnt authentische, ungeschliffene Videos mit enormer Reichweite – auch für Accounts, die gerade erst starten. Fürs Recruiting ist TikTok kaum zu schlagen: Fast zwei Drittel der österreichischen Jugendlichen nutzen TikTok und Instagram – wer künftige Lehrlinge und Ordinationsassistent:innen erreichen will, findet sie genau dort.

Die beliebtesten sozialen Netzwerke der 11- bis 17-Jährigen in Österreich
WhatsApp
82 %
YouTube
76 %
Snapchat
65 %
TikTok
64 %
Instagram
64 %
Quelle: Jugend-Internet-Monitor 2026, Saferinternet.at. Befragung österreichischer Jugendlicher von 11 bis 17 Jahren.

Die gute Nachricht: Man muss sich nicht entscheiden. Kurze Hochformat-Videos funktionieren auf beiden Plattformen, derselbe Clip lässt sich als Reel und als TikTok posten. Sinnvoll ist, mit einer Plattform konsequent zu starten und die zweite später mitzubespielen.

Ehrlich kalkulieren sollte man allerdings den Aufwand: Zwischen Sprechstunde, OP und Notfällen bleibt im Praxisalltag erfahrungsgemäß kaum Zeit, Social Media konsequent selbst zu betreuen – gestartete Accounts schlafen dann nach wenigen Wochen wieder ein.

Wer dauerhaft sichtbar sein will, plant, wenn er nicht die nötigen Ressourcen hat, von Anfang an professionelle Unterstützung ein – von der Strategie über den Videodreh direkt in der Ordination bis zu Schnitt, Posting und rechtssicherer Umsetzung. Das Praxisteam braucht dann nur noch einen regelmäßigen Drehtermin – je nach Umfang einmal im Monat oder alle zwei Monate –, den Rest übernimmt die externe Betreuung.

Was Tierärzte rechtlich beachten müssen

Für Tierärztinnen und Tierärzte gilt auch auf Social Media das Berufsrecht. Das Tierärztegesetz verbietet jede unsachliche, wahrheitswidrige oder irreführende Werbung. Untersagt sind insbesondere:

Sachliche Information ist dagegen ausdrücklich erlaubt: über das Leistungsangebot, Qualifikationen, Öffnungszeiten oder Praxisschwerpunkte. Auch humorvolle Einblicke in den Praxisalltag sind kein Problem, solange sie nicht zur Anpreisung werden. Die Grenze verläuft zwischen „Wir zeigen, wie wir arbeiten“ und „Wir sind die Besten“.

Wichtig außerdem: Auch geschäftlich genutzte Social-Media-Profile brauchen ein Impressum – am einfachsten als Link zum Impressum der Praxiswebsite in der Bio.

Heikler Bereich: Arzneimittel und Kooperationen

Besondere Vorsicht gilt bei allem, was mit Arzneimitteln zu tun hat:

Datenschutz: Wer darf ins Bild?

Tiere haben keine Persönlichkeitsrechte – ihre Menschen schon. Daher gilt:

Und als Grundregel für alle Zweifelsfälle: lieber nicht posten.

Diese Inhalte funktionieren wirklich

Die gute Nachricht: Die Inhalte, die rechtlich unbedenklich sind, sind meist auch die, die am besten ankommen. Bewährte Formate sind:

Bei der Umsetzung zählen drei Dinge:

Wiederkehrende Formate erleichtern zudem die Planung und schaffen Wiedererkennung: der „Fall der Woche“, „Frag die Tierärztin“ am Freitag oder ein monatlicher Mythen-Check. Wer Serien etabliert, muss sich nicht jede Woche neu erfinden – und die Community weiß, worauf sie sich freuen kann.

Was besser nicht gepostet wird

Manche Inhalte gehören trotz guter Absicht nicht in den Feed:

Praktische Tipps für den Praxisalltag

Social Media scheitert im Praxisalltag selten am Willen – sondern an Zeit und Know-how. Diese Grundregeln helfen:

Fazit: Authentisch, sachlich, mit Einwilligung

Instagram und TikTok bieten Tierarztpraxen eine Bühne, die kaum eine andere Branche so geschenkt bekommt: Die Hauptdarsteller haben Fell und erobern die Community im Sekundentakt. Wer die Spielregeln kennt – sachlich statt marktschreierisch, keine Arzneimittelwerbung, Einwilligung vor jedem Post, Werbung kennzeichnen –, bewegt sich dabei auf sicherem Terrain.

Der Rest ist erfreulich einfach: echte Einblicke statt Hochglanz, Aufklärung statt Anpreisung, Regelmäßigkeit statt Strohfeuer. So wird der Praxis-Account zum Vertrauenskanal, der neue Kunden bringt, Sie als Arbeitgeber sichtbar macht – und ganz nebenbei Tieren hilft, bevor sie überhaupt in die Ordination kommen.

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FAQ: Häufige Fragen zu Instagram & TikTok für Tierärzte

Soll ich Social Media selbst machen oder eine Agentur beauftragen?

Im Praxisalltag bleibt für konsequentes Social Media erfahrungsgemäß kaum Zeit – und halbherzige Accounts schaden mehr, als sie nützen. Eine spezialisierte Agentur übernimmt den kompletten Prozess: Strategie, Videodreh direkt in der Ordination, Schnitt, Planung, Posting und den rechtlichen Feinschliff. Das Team investiert dafür einen fixen Drehtermin – je nach Umfang einmal im Monat oder alle zwei Monate –, bei dem Material für mehrere Wochen entsteht. Authentisch bleibt der Auftritt trotzdem, denn gedreht wird mitten im echten Praxisalltag.

Wie gehe ich mit negativen Kommentaren um?

Ruhig, sachlich und öffentlich sichtbar antworten – das zeigt allen Mitlesenden Professionalität. Beleidigende oder untergriffige Kommentare dürfen gelöscht und die Verfasser blockiert werden.

Soll ich privates Profil und Praxis-Account trennen?

Ja, unbedingt. Der Praxis-Account gehört zur Ordination und sollte auch bei Teamwechsel weiter bestehen – daher immer mit einer Praxis-E-Mail-Adresse anlegen, nicht über das Privatprofil einzelner Mitarbeiter. Die Trennung schützt zudem die Privatsphäre und erspart Diskussionen, wem Follower und Inhalte gehören, wenn jemand die Praxis verlässt.

Lohnt sich bezahlte Werbung auf Instagram oder TikTok?

Für den Start meist nicht nötig – organische Reichweite funktioniert bei Tier-Content ungewöhnlich gut. Sinnvoll können kleine, regional ausgerichtete Kampagnen sein, etwa zur Praxiseröffnung, für Stellenanzeigen oder neue Leistungen.

Ab wann sehe ich erste Ergebnisse?

Geduld gehört dazu: Die ersten Monate dienen dem Aufbau, sichtbare Effekte wie Neukunden, die „über Instagram“ gekommen sind, zeigen sich realistisch nach sechs bis zwölf Monaten konsequenter Arbeit. Einzelne Videos können zwar früh viral gehen, entscheidend für die Praxis ist aber die stetige lokale Sichtbarkeit, nicht der eine Millionen-Klick.